Lumen (Licht, Leuchte) bezeichnet (neben dem Lichtstrom) das „Innere“, den Innenraum von Blutgefäßen, Organen, Zellkörpern. Es beschreibt eine Raumweite („Raumlichte“), umgeben von einem Raum auf der Außenseite. 

 

Die Installation beschäftigt sich mit Vermischung, Beeinflussbarkeit und Abhängigkeiten von Lebensräumen. Der leere, dunkle Raum ist Ausgangspunkt der Installation.

Er verkörpert das lichtlose „Nichts“ des Anfangs, welches als Lebensraum noch keine Existenz ermöglicht. Rund 400 Stück Stehlampen in allen Größen und Variationen füllen diese Leere und bilden den Inhalt, sind Funktionsträger und Ausgangspunkt der Assoziation. Entfremdet, deplatziert und in ihrer Vielzahl aus dem gewohnten Zusammenhang gerissen, verändert und erweitert sich ihre Rolle in der Betrachtung. Das Aufbrechen dieses Kontextes erzeugt Spannung, ergibt eine Irritation durch Vermischung von Assoziationen und Erwartungen. Dies erlaubt ein Heraustreten aus dem Gewöhnlichen.  Die Anordnung der Lampen vermittelt das Bild alleine gelassener Vegetation.

Ein kleiner Wald, eine Ansammlung von Bäumen und Büschen, die Nachbildung eines natürlichen Lebensraums, mit bewusst platzierten Wegen hinein und hindurch.  Der Lichtzyklus der etwa 150 Stück beleuchteten Lampen, die zufällig zwischen den 250 Stück nicht beleuchteten verteilt sind, vervollständigt den visuellen Gesamteindruck der Installation. Wo Licht als Faktor im natürlichen Lebensraum Quelle, Anstoß und Ausweg aus dem Nichts, der Leere ist, erfährt dieses Verhältnis in der Installation eine Umkehrung: Der assoziierte Wald, ein Lebensraum abhängig von Licht, wird selbst zur emittierenden Quelle des Existenz ermöglichenden Lichts.

Eine Utopie, die Wunschvorstellung einer idealen Lösung: Ein künstlicher Organismus, der sich selbst versorgt, und sich dadurch aus seiner Abhängigkeit löst. Die verwendeten Tonspuren und Geräusche fügen weitere Bilder hinzu, welche stimmig zum Lichtzyklus, wie auch konträr, als „Störfaktoren“, Assoziationen ergeben. Mit verstreichender Zeit kommt es zur endgültigen Vermischung bzw. Entkoppelung natürlicher und künstlich geschaffener, menschlicher Lebensräume.

Der Zyklus der Licht- und Toninstallation als grundlegendes Fixum bildet die Basis für Einflussfaktoren. Mittels Sensoren werden die Besucher beim Erkunden des künstlichen Waldes an unterschiedlichen Stellen erfasst und ihre Bewegungen unmittelbar auf die Lampen übertragen. Mit dem Betreten der Installation lösen sich die Besucher aus der Passivität der Betrachter, es entsteht ein „Außerhalb“ und ein „Innerhalb“. Sobald sie sich in das System, den Lampenwald, begeben, werden sie selbst zu einem Teil der Installation. Durch ihre Aktionen und Handlungen beeinflussen sie das System.