Rekonstruktion einer Dekonstruktion

Man schlachte ein Huhn/Schwein, zerlege es nach allen Regeln der gängigen Schlachtkunst, nehme die einzelnen Teile und bereite sie nach den geläufigsten Methoden vor.

 Die Zubereitung selbst steht nicht im Vordergrund, der Vorgang des Kochens/Bratens/Backens erhält seine Wirkung durch die gründliche Perfektion desselben, wird aber in seiner Selbstverständlichkeit nicht weiter beachtet. Die eigentliche Zielsetzung des Projekts erfolgt durch das anschließende „Wiederzusammensetzen/Zusammenfügen“ der einzeln zubereiteten Teile, die in ihrer Morphologie durch den Vorgang der Zubereitung nicht zur Gänze deformiert und unkenntlich gemacht wurden. Das Ergebnis ist eine Skulptur, an welcher sich die einzelnen Teile als solche klar erkennbar voneinander abheben. Durch die unterschiedliche Zubereitung, die bestimmten Traditionen folgt, und durch das 

„Wiederzusammensetzen“, kann der Betrachter die einzelnen Teile klar zuordnen, wieder erkennen und die Metamorphose nachvollziehen. Als wichtiger Punkt ist die Morphologie der einzelnen Teile/Extremitäten ein weiteres Mal hervorzuheben: Sie darf durch den Gar/Zubereitungsprozess nur minimal verändert werden, das Tier als solches, mit seinem ihm eigenen Abbild, seiner ursprünglichen Erscheinung, muss klar erkennbar eine Einheit widerspiegeln und als solche bestehen bleiben.

Am Ende des Projektes wird das Huhn/Schwein, die Skulptur, verspeist; die Genießbarkeit, die Nachhaltigkeit des Produktes Fleisch, des hierfür verwendeten Tieres erfährt durch die Aktion keinerlei Beeinträchtigung. Der Zyklus vom lebenden Tier als Quelle für das Produkt Fleisch, über die Schlachtung, die Zubereitung bis hin zu den fertigen Speisen, wird vor dem finalen Konsum unterbrochen durch den Akt 

 des „Wiederzusammensetzens“ der fertigen Produkte zum ursprünglichem Abbild des dafür verarbeiteten Tieres. Die möglichst naturgetreue Rekonstruktion der Morphologie des Tieres setzt die einzeln zubereiteten Teile, Fleischstücke, zurück in den Kontext des gesamten Lebewesens; es entledigt sich der Anonymisierung als reines Konsumgut Fleisch und bleibt durch die Zubereitung in seiner Gliederung dennoch klar abgegrenzt. Die Reflexion im Betrachter, der an dieser Stelle die Position des Konsumenten einnimmt, ergibt sich demnach durch den Kontext des Ganzen. Er/Sie sieht Chicken Wings wieder als tatsächliche Flügel, Koteletts als Rücken, Backhendelhaxen/Stelzen/Schinken als tragende Füße, Filets als sprichwörtliche Brust des Tieres und findet sich und sein/ihr (lustvolles) Essverhalten konfrontiert mit der eigentlichen Quelle des Produktes, dem Tier in seiner Ganzheit.